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LocalNews plus Networking (3): Seit 2008 – www.localido.de

Localido-Logo

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Localido ist die neue Online-Community für alle aus der Lausitz, für Weggezogene, für Freunde, Verwandte und Bekannte, die Interessen teilen, in Kontakt bleiben oder einfach über sich und ihre Meinung schreiben wollen“, heißt es auf der seit Anfang 2008 geschalteten Community-Site der Lausitzer Rundschau (gehört zur Holtzbrinck-Gruppe).

Die unter Beratung einer spezialisierten Agentur entstandene Plattform wendet sich vorwiegend an junge Leute im regionalen Umfeld von Cottbus, die auch mit Hilfe des Rundfunksenders Radio Cottbus (LR ist am Sender beteiligt, ‚Localido‘ wird zusammen mit Radio Cottbus betrieben) verstärkt für die Community beworben werden sollen. Mit rund 2500 angemeldeten Usern liegt man nach Verlagsangaben durchaus im Soll, möchte sich aber durch weitere Maßnahmen um eine deutliche Steigerung bemühen.

Nichts deutet für den User darauf hin, dass es sich um eine Community der Lausitzer Rundschau handelt – das war gewollt von Seiten des Verlags-Managements! Man fragt sich natürlich, was das mit ‚Markenführung‘ einer Tageszeitung zu tun hat und erinnert sich an längst vergangen geglaubte Zeiten, in denen alte Denkweisen und übervorsichtiges Handeln des Managements beim Umgang mit den jeweiligen neuen Medien Oberhand hatten.

Glauben die Verantwortlichen nicht an ihre eigenen Kräfte, an die positiven Wirkungen des eigenen Produktes und die hervorragende Stellung der Tageszeitung im lokalen und regionalen (Leser- und Anzeigen-)Umfeld? Schätzen sie ihre „Marke“ (wird sie eigentlich so von Verlegern gesehen?) nicht so stark und verwurzelt ein, um mit ihr auch über neue Medien junge Zielgruppen „anzubaggern“? (Apropos: Alte Zielgruppen muss man auch mit neuen Medien erobern, denn sonst fühlen sich diese vernachlässigt und nicht angesprochen – man befasse sich einmal mit den Wachstums-Zahlen der silver-age-Group im Netz) Wer, wenn nicht die Tageszeitung, hat eigentlich die Hoheit im regionalen Werbe- und Consumermarkt? Welches andere Medium kann ihr da das „Wasser reichen“? Glaubte man nicht insbesondere den Nachrichten in der lokalen Tageszeitung? War sie nicht die tonangebenden Macht in der Region?

Das Engagement der Lausitzer, sich so früh und konstruktiv dem Thema „Internet“ und „Community“ zu nähern, ist grundsätzlich zu loben und der Testwille und die Bereitschaft, auch über eine Veränderungen der strategischen Ausrichtung nachzudenken, bleibt bemerkenswert. Dennoch bleibt immer etwas Unbehagen, wenn sich auch bei der Frage nach Erlösmodellen immer auf alte Lösungen konzentriert wird. Dieses Problem ist aber ebenso wie die Frage nach dem Aufbau einer nationalen Dachmarke ein ganz schwieriges und ungelöstes Feld in deutschen Tageszeitungs-Verlagen. Neue Konzepte auch mit anderen LocalNews-Anbietern (bspw. um eine regionale Dachmarke zu formulieren) zu entwickeln, neue Methoden zur Finanzierung von Internet-Auftritten (bspw. Verknüpfungen zwischen Consumer- und Business-Communities herzustellen) zu prüfen und zu testen, bleiben Hauptaufgaben – nicht nur der Verlage und nicht nur in Cottbus.

Ein Wort zu consumer-generated-content:
Die deutlich besten Zugriffe haben Bilder und Videos hochladen. Den User einzuladen, an der Willensbildung und der Community mit zu gestalten, ist ein wichtiges Anliegen aller Web2.0-Unterstützer. Auch die Lausitzer haben noch Nachholbedarf – Kommentare sollte jeder einstellen dürfen, ohne sich erst kompliziert und langatmig anmelden zu müssen (Problem ist erkannt und wird in Cottbus bald abgestellt). Bewertungen von Artikeln und anderen Tools dienen genauso der Orientierung und sind Bestandteile von user-generated-content. Bürgerjournalismus ist aber für viele Verlags-Verantwortliche inkl. Journalisten noch ein Horror-Szenario – gehört aber gleichwohl zu einer sich verändernden Welt, neuen Informations-Nutzungen und -Bedürfnissen bei allen Zielgruppen. Wer das nicht begreift, beachtet und integriert, wird nicht akzeptiert – so einfach ist das.

Die junge Garde der Nachwuchskräfte hat das Ticken der ablaufenden Print-Uhr sehr wohl vernommen. Es wird Zeit, auch Redaktionen und Journalisten, Verleger und Verlagsleiter in die Internet-Fortbildung zu schicken, damit Web2.0, Vernetzungen, Bürgerjournalismus, Twitter und Co. keine unverstandenen oder  ungenutzten Themen für das Überleben heutiger Printmedienhäuser bleiben.

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